Obstwiese mit gekalkten Bäumen
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Stress auf der Streuobstwiese – Mach doch mal Kalk an die Bäume

Wer hat es nicht schon gesehen – Irgendwelche Heinzelmännchen haben Bäume weiß angestrichen. Will hier jemand den Rehen das Fressen im Mondlicht etwas erleichtern, oder steckt hier doch etwas anderes dahinter? Unsere Bäume auf der Streuobstwiese leiden unter den Folgen des Klimawandels: im Sommer zu trocken und heiß, im Winter zu feucht und kaum noch frostig.

Dadurch werden sie geschwächt und sind anfälliger gegen Krankheiten und Schädlinge.

Schon lange vor dem offensichtlichen Klimawandel kamen unsere Vorfahren auf eine Idee, die sich bis heute bewährt hat. Der weiße Anstrich von Bäumen mit Kalk wird nicht aus ästhetischen Gründen angebracht, sondern dient der besonderen und natürlichen Pflege der Bäume vor dem Winter. Die wichtigsten Gründe für einen Kalkanstrich sind:

  1. Schutz vor Frostrissen an der Rinde
  2. Schutz vor Schädlingen
  3. Schutz vor Wildverbiss
  4. Zusätzliche Nährstoffe für die Bäume
Wozu kann man Kalk so nutzen
Wozu kann man Kalk so nutzen
  1. Schutz vor Frostrisse an der Rinde

Aufgrund der Temperaturschwankungen im Herbst,Winter und besonders auch im Frühjahr bei stärkerer Sonneneinstrahlung wird die Rinde der Bäume oft in Mitleidenschaft gezogen. Neben der kalten Luft können starke Windlasten die Rinde beschädigen.

Durch diese heftigen Spannung kann die Rinde an einigen Stellen aufgesprengt werden es entstehen sogenannte Spannungsrisse

Unter der Rinde liegt direkt das Kambium, welches das Breitenwachstum eines Baumes steuert. Wenn dieses aufreißt und abstirbt, ist der Baum in seinem normalen Wachstum gestört. Es kommt zum sogenannten Rindenbrand

Es kostet den Baum viel Kraft, diese Wunden wieder zu schließen. Besonders, wenn Teile des lebenden Gewebes absterben und die Karft eigentlich ins Wachstum gehen sollte

Durch die Wunden ist der Baum anfälliger gegen Pilzkrankheiten und Fraßfeinde, die den Baum über die Zeit aushöhlen. Im schlimmsten Fall führt die Pilzfäule und Insektenfraß  zu einer Instabilität des Baumes, so dass dieser früher oder später umstürzt. Weitere Folgen von Frostschäden sind zudem weniger Blüten im Frühling und deshalb auch eine verringerte Ernte.

Der Überstrich aus Kalk schützt dabei direkt vor dem Einbruch von Kälte und Wind und wirkt dabei  wie ein extra Mantel für den Baum und kann ihn vor unnötigen Frostrissen bewahren.

Da Kalk zusätzlich sehr atmungsaktiv ist, kann die Rinde trotzdem natürlich atmen.

Der Anstrich mit der Kalkfarbe bremst  im Frühjahr  die Wärme im Baum da die Sonneneinwirkung abgebremst wird. Dadurch bekommt der Baum erst später den Reiz zum Austreiben der Triebe und Knospen und Spätfröste können teilweise umgangen werden

  1. Schutz vor Schädlingen

Kalk wirkt als basische Farbe schädlich auf viele Arten von Schädlingen, ob es Pilzsporen, Bakterien Schädlinge jeder Art und deren Eier und Larven oder Ameisen sind. Dadurch kann der Schädlingsbefall geringer werden und die Bäume haben weniger Stress.

Leider könnten dabei auch Nützlinge zerstört werden

  1. Schutz vor Wildverbiss

Der Kalkanstrich verhindert vor allem in der kalten Jahreszeit, dass Tiere wie Rehe oder Hasen die Baumstämme anknabbern und Wildverbiss und Schäden an den Bäumen verursachen. Die Kalkfarbe hat einen bitteren Geschmack für die Tiere, den sie nicht mögen

  1. Zusätzliche Nährstoffe

Die Kalkfarben gibt auch zusätzliche Nährstoffe an den Baum durch langsamen  Abbau der Farbe ab. Nicht nur der Baum wird dadurch gestärkt, sondern zusätzlich auch die Wiese und das Erdreich um den Baum herum. Durch Regen und Tau wird nach und nach  Kalkfarbe abgewaschen und in den Boden gespült. Die alkalische (basische) Wirkung sorgt für eine Neutralisierung des sauren Bodens. Somit hat der Baum bessere Wachstumsbedingungen

Gekalkte Baumreihe
Gekalkte Baumreihe

Wie geht das Ganze denn eigentlich?

– Vor allem ältere Bäume mit brüchiger Rinde vorbereiten und lösbare Stücke vorsichtig abtragen, z. Bsp. mit einem Fugenkratzer und einer weichen Drahtbürste. Vor allem darauf achten, dass größere Moos- und Flechtenstellen weitgehend entfernt werden,

– Für effektive Schutzwirkung ist ein Auftragen im Herbst bis Winter vor den ersten Frösten ideal

– Möglichst trockenen und leicht sonnigen Tag für das Auftragen des Kalkanstriches auswählen. Neben dem Verdunsten des Wassers wird die Kalkfarbe vor allem durch die Aufnahme von Co2 fest.

– Kalkanstrich ist ganzjährig durchführbar und kann jederzeit durch Nachstreichen aufgebessert werden

– Beim Auftragen der Farbe auf persönlichen Schutz achten, wie z.B. alte Kleidung, Schutzhandschuhe und Brille, da der Kalk stark ätzende Eigenschaften hat und Spritzer nicht zu vermeiden sind.

– Erfahrungsgemäß bringt ein langstieliger Pinsel, z.B. Heizkörperpinsel (Breite mind. 7,5cm oder mehr), gute Erfolge, da man durch den längeren Stiel weniger von den Kalkspritzern abbekommt und sich nach unten oder oben weniger bücken oder strecken muss.  Auch hat man durch den längeren Stiel mehr Kraft die Farbe in die Rindenspalten und -ritzen einzuarbeiten.

– Bei dem Anstrich mit der relativ dünnen Farbe lässt sich kleckern nicht vermeiden. Diese Kalkkleckse dienen dem Boden als Dünger.

– Auch ältere Bäume und ihre Stämme gewinnen an Vitalität  dank der desinfizierenden Wirkung durch die starke Alkalität der Kalkes

– der Auftrag der Farbe mit einer großflorigen Farbwalze verlief weniger positiv, da die Walze für ebene Flächen gedacht  und der Baumstamm rund ist.

– Die Bestandteile der Kalkfarbe setzen sich relativ schnell ab. Deshalb ist es wichtig, die Farbe während dier Verarbeitung immer wieder gut umzurühren. Etwas Wasservorrat auf der Wiese bei der Verarbeitung zu einer nachträglichen Verdünnung erwies sich als hilfreich

– Bei einer möglichen Verwendung eines Drucksprühers ist eine gröberen Kalkdüse erforderlich. Die Kalkfarbe sollte sauber durchgesiebt sein. Sollte eine feine Filterdüse vor der Spritzdüse verbaut sein, setzt diese sich schnell zu. Deshalb sollte diese vorher entfernt werden.

– Den Zeitaufwand zum Streichen der Bäume mit Kalkfarbe kann man je nach Dicke der Stämme für 2 Personen mit ca. 10 Minuten, inclusive reinigende Vorarbeiten, einplanen.

– der Kalkanstrich sieht zunächst etwas blass aus. Mit der Trocknung wird der Weisston des Kalkes verstärkt

Ansetzen der Kalkfarbe

Wer sich keine vergleichsweise teure Stammschutzfarbe kaufen möchte, kann sich eine einfache Kalkfarbe anrühren, welche jedoch einmal im Jahr erneuert werden sollte.

Dazu werden benötigt:

– Kalkhydrat aus dem Baustoffhandel, Kostenpunkt ca. 15 Euro für 25 kg

– einfacher Tapetenkleister (für die Geschmeidigkeit beim Streichen und Haftung) und

– Wasser im Eimer

Sack Kalkhydrat
Sack Kalkhydrat

 

Kalkansatz – Wir schwören auf dieses Rezept:

10L Wasser

1,5 l Kalkhydrat

1,0 Liter fertiger Tapetenkleister ohne Zusätze – Die guten alten Mittel sind auch meist die Günstigsten.

Den Kalk in Wasser möglichst 1-2 Tage vorher einsumpfen, dann den vorher separat angerührten Tapetenkleister dazugeben und alles gut und immer wieder umrühren .

Die gemachten Erfahrungen zeigten, dass 1,5 l Kalkpulver auf 10 Liter Wasser etwas zu wenig waren, deshalb wurde die Menge verdoppelt und vor Ort auf der Wiese je nach Bedarf noch  mit Wasser verdünnt.

Wer es besonders gut meint, kann seine Mischung durch natürliche Zutaten aufwerten, um seinen Bäumen besondere Nährstoffe zukommen zu lassen. Mit dieser Versorgung kann sich der Baum noch besser gegen Krankheiten und Schädlinge wehren.

– Kuhfladen, Horn- oder Gesteinsmehl, Schachtelhalm- oder Rainfarnbrühe

Viel Spaß beim eigenen Umsetzen:-)

 

Was können wir zusammenfassend also alles tun, um unseren Bäumen ihr Dasein nicht zu stressig werden zu lassen;

– vor allem bei jungen Bäumen diese stabil anbinden und auf Verbissschutz achten

– Giessen der Bäume in der Trockenzeit (wenn technisch möglich)

– Freischneiden der Wiese um die Baumscheibe (am besten frei hacken)

– gezielte Düngung der Bäume um den  Bereich der Baumkrone herum, (möglichst mit tierischem Dung)

– Förderung der natürlichen Fressfeinde von Schädlingen z.B. durch Vogelkästen und einer Wildhecke zur Förderung der Biodiversität und Schutz vor starken Winden

– regelmäßiges Schneiden der Bäume, damit  sie genügend Licht  für die Früchte bekommen und  im Alter noch vital austreiben und nicht vergreisen

– Anstrich der Bäumstämme im Winter mit Kalkfarbe

 

 

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