Lauter kleine Apfelbäume
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Das kleine Veredelungs-ABC

Ein Freund hat mal gesagt, dass Kinder und Obstbäume einiges gemeinsam haben.

Er meint zwar, dass beide erstmal in die Schule müssen, aber es geht noch weit darüber hinaus. Das wurde mir aber erhlich gesagt erst vor kurzem so richtig klar, als ich mal wieder einem Vortrag von Barbara Helling zuhören durfte. Barbara hat dabei ganz beiläufig erwähnt, dass alles was man bei den jungen Bäumen am Anfang falsch macht, sich einige Jahre bitter rächen kann. Ob dies Düngen, ausreichend Wässern, Schneiden oder die Pflege der Baumscheibe ist – man erntet immer, was man verdient.

Aber darüber ein andermal wieder mehr, hier geht es um das Veredeln von Bäumen. Um es mal ganz einfach zu halten, bleiben wir auch mal beim Apfelbaum. Was die meisten erstmal so nicht wissen – ein Apfelbaum  wird in den allermeisten Fällen nicht aus einem Kern treiben, groß werden und dann tolle Äpfel tragen. Auch hier schlagen Mendel & Co. zu und bei der Bestäubung kommen unterschiedliche Genmaterialien zusammen, was das Ergebnis ziemlich zufällig macht. Aber hey, aus diesen zufälligen Ergebnissen mit neuen Apfelsorten wurden auch schöne Dinge und wer Platz und Spaß daran hat, kann auch mal so vorgehen.

Da der Mensch nicht nur Zufälle wollte sondern stabile Lösungen, hat er irgendwann begonnen zwei verschiedene Teile von Apfelbäumen zusammenwachsen zu lassen. Der erste Teil ist die Unterlage. Diese bestimmt, ob ein Baum groß oder klein wird, ob er gut und tief wurzelt und zum guten Teil auch wie widerstandsfähig ein Baum wird.

Auf diese Unterlage kommt dann ein Edelreis von einem Apfelbaum, der für einen die passenden Äpfel trägt. Und dabei ist „passend“ durchaus so gemeint. Bei alleine über 2000 Apfelsorten in Deutschland muss jeder für sich die Wahl treffen, welcher Apfel der Richtige ist. Dabei geht es nach Geschmack, Säuregehalt, Lagerfähigkeit, Reifezeit und vielen anderen Fragen. In Zeiten von fünf bis sechs Apfelsorten, die der Durchschnittsdeutsche noch aus der Dauerverfügbarkeit im Supermarkt kennt, eine echte Herausforderung.

Man hört ganz häufig, dass die Menschen diese Supermarkt-Turbo-Äpfel nicht vertragen. Dabei müsste man ganz häufig sagen – nicht mehr vertragen, denn viele Merkmale wurden den Äpfel aberzogen, weil unpopulär für den Handel. Wer möchte schon gerne einen Apfel, der braun anläuft? Dummerweise ist dies oft ein Zeichen für gute und gesunde Inhaltsstoffe. Aber auch das ist wieder ein Thema für einen eigenen Artikel.  Ein Schlüsselerlebnis hatte ich mit meiner Freundin Martina, die genau vor diesem Problem stand. Bei einer Auswahl von über 12 Äpfeln von unserer Wiese hatte sie genau mit einer der alten Sorte noch ein Problem.

Jetzt könnte man natürlich zu einem Pomologen gehen, den Apfel bestimmen lassen und für viel Geld dieselbe Sorte in der Baumschule nachkaufen. Wenn ihr einen guten Pomologen erwischt könnte das der Weg sein, der Sinn macht.

Man könnte auch den Besitzer des Wunschbaumes fragen, ob man ein sogenanntes Edelreis bekommt und dann für kleines Geld genau den passenden Baum bekommen. Wenn man sich ein wenig damit beschäftigt hat, kann das sogar Spaß machen 🙂

Eine Unterlage gibt es für 2-3 pro Baum € plus Versand oder man sucht sich einen Zufallssämling aus der Umgebung. Der Sämling, oder manchmal auch Triebe aus Wurzeln bestehender Bäume hat zwei Vorteile. 1) Er ist kostenlos und 2) der Baum will bei euch in der Gegend auch wachsen.

Wenn man seine Unterlagen kauft, sollte man durchaus darauf achten, dass man bei einer Quelle kauft, die einen guten Ruf hat. Manche Ware ist noch zu dünn zum veredeln, manche scheinen schon etwas länger mit den Wurzeln an der Luft gewesen zu sein. Ich habe zum Beispiel mit der Baumschule Ritthaler gute Erfahrungen, da man auch mal sowas wie Antonowka-Unterlagen bekommt, denen man eine  hohe Toleranz gegenüber übermäßiger Trockenheit und Feuchtigkeit nachsagt. Außerdem bekommt man, wenn man schnell ist, auch echt ausgefallene Edelreiser.

Wenn man dies hat, kann kann man auch schon loslegen. Je nach eigener Erfahrung und Neigung kann man dann eine Handveredelung mit Kopulation machen oder im Sommer ein oder zwei Auge einpflanzen. Kann man alles eigentlich an einem halben Tag so lernen, dass man es locker selber kann oder so wie ich, einfach mal ein Videos im Netz anschauen und seinen Weg machen. Hier findet ihr  ein Video mit meinen Händen aus dem April 2024 :-).

Eine tolle Übersicht zu den einzelnen Veredelungsarten bei verschiedenen Gehölzen findet ihr u. a. bei veredeln.info.

Farbenspiel bei Veredelungen
Farbenspiel bei Veredelungen

Dann braucht man für eine Winterveredelung eigentlich nur die Unterlage, das Edelreis, ein Messer und ein wenig Bindematerial. Ich bin dabei von meinem Vater so erzogen, dass man nie auf den Körper zuschneidet und scheitere daher grandios an der ganz simplen Methode.  Daher nehme ich eine Veredelungszange, aber auch hier gilt – der Erfolg rechtfertigt die Mittel und Meinungen gibt es wie Sand am Meer. Daher empfehle ich: Einfach mal machen und schauen wohin es führt. Ich drücke euch die Daumen und wünsche euch viel Spaß, wenn ihr euch an Euer Projekt wagt.

Der meiner Meinung nach beste Weg ist es übrigens, wenn man das kleine Bäumchen gleich an seinen endgültigen Standplatz auspflanzt, aber nicht überall ist das natürlich möglich.

Die frühe Pflanzung wächst oft schneller an
Die frühe Pflanzung wächst oft schneller an

 

 

 

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